Saarland verweigert Aufnahme von 400 christlichen Flüchtlingen

Foto: Facebook

Aufnahmekapazität sei angeblich erschöpft

Die Assyrer sind eines der ältesten Völker auf unserem Erdball. Bereits etwa 2.500 Jahre vor der heutigen Zeitrechnung gab es ein Großreich an den Flussläufen von Tigris und Euphrat (Zweistromland). Dieses Großreich verschwand etwa 600 Jahre vor unserer Zeitrechnung, der Volksstamm der Assyrer aber überdauerte die Zeit. In der wechselvollen Zeit der Geschichte gründete sich die Assyrische Kirche des Ostens, die sich auf den Apostel Thaddäus beruft, als eine der ältesten christlichen Kirchen. Der erste syrischsprachige Bischofssitz war Edessa, damals im Römischen Reich gelegen.

Mit Beginn der gewaltsamen islamischen Expansion etwa im Jahr 636 nach Christus begann die lange Zeit der Verfolgung und Vertreibung der christlichen Assyrer aus der Region. Heute lebt nur noch ein Bruchteil von ihnen in den angestammten Regionen; die meisten Assyrer leben in der Diaspora. In Deutschland leben etwa 135.000 sehr gut integrierte Assyrer.

Mit der Ausbreitung des Terrornetzwerkes IS/DAESH sahen sich die noch in Syrien beheimateten Assyrer einer weiteren Verfolgungsjagd, deren Ziel die Vernichtung jeglichen christlichen Glaubens in Syrien war, ausgesetzt. Viele flüchteten nach Europa und fanden Unterschlupf bei ihren Glaubensbrüdern, auch hier in Deutschland. Aktuell haben 400 weitere Assyrer um Aufnahme im Saarland nachgesucht. Ihre dort bereits lebenden Brüder und Schwestern haben sich gegenüber der saarländischen Landesregierung bereit erklärt, die 400 Personen in ihre Wohnungen und Häuser aufzunehmen und sich um sie zu sorgen.

Doch die saarländische Landesregierung verweigert die Aufnahme. Laut der Sprecherin der Landesregierung, Anne Funk sei die Aufnahmekapazität des Landes erschöpft.

Der Assyrische Kulturverein bezeichnete in einem Beitrag von Idea die Entscheidung der Landesregierung als »zynisch, menschenverachtend und feige«. Seit 2015 seien 10.000 andere Flüchtlinge ins Saarland gekommen. Statt zu helfen spiele man mit einem Schreiben des CDU-Ministerprädidenten Tobias Hans an Bundesinnenminister Seehofer und dem Vorschlag einer bundesweiten Verteilung der 400 Assyrern auf Zeit.  »Hier geht es um 400 akut bedrohte Christen, und die Regierung wirft uns eine Beruhigungspille hin«, so der Kulturverein.