Kanzlerin Merkel versagt in der Krise

א (Aleph) / CC BY-SA

Nichts Neues aus dem Kanzleramt

Fast ein Vierteljahr nachdem das Corona-Virus als Verursacher einer gefährlichen Erkrankung in China bekannt wurde, regt sich das Kanzleramt. Dass die Bundesregierung irgendwelche Vorbereitungen getroffen hätte, lässt sich nicht erkennen. Sie hat die Zeit seit dem Ausbruch der Krankheit ungenutzt verstreichen lassen.

Und nicht nur die Wochen gewährter Vorwarnzeit wurden vertrödelt. Die späten Reaktionen konzentrierten sich ganz auf die ökonomische Seite der Epidemie. Konjunkturprogramme und Hilfen für eine möglicherweise geschädigte Wirtschaft, Kurzarbeitergelder, Reiserücktrittsversicherungen. Das scheinen die wichtigen Fragen zu sein.

Wirkungsvolle Aktionen wie in China, wo die Hersteller von Luftfiltern auf die Produktion von Atemschutzmasken umgestellt haben, sucht man in Deutschland vergeblich. Statt dessen wird über die Absage von Fußballspielen debattiert. Und das, obwohl bekannt ist, dass Karneval zur Verbreitung des Virus maßgeblich beitrug.

Ein Helmut Schmidt wäre jetzt nötig. Statt dessen schaut man Dilettanten zu bei der Arbeit.

Nun sind wir in Bezug auf Corona alle Dilettanten. Das ist richtig. Aber genau das zeichnet eine Kanzlerschaft aus: Dass sie sich gerade in Krisen der unbekannten Notlage stellt.

Doch Kanzlerin Merkel macht das, was sie immer gemacht hat. Sie versucht Krisen mit Geld und Reden zu meistern. Sprücheklopfen würden derbere Kritiker sagen. »Wir schaffen das«, war einer davon. Und das Geld fließt bis heute.

Indes, das Corona-Virus lässt sich nicht kaufen. Es ist kein Erdogan und auch keine Flüchtlingsarmada. Die sind bestechlich; die Summe muss nur hoch genug sein. Corona ist ein anderer Gegner. Das Virus kennt keine Gnade. Mit ihm kann man nicht reden. Man muss es bekämpfen.

Und gerade dafür fehlt in Deutschland die moralische Basis. Probleme und Krisen werden in Deutschland seit langem ausnahmslos mit ökonomischen Mitteln bewältigt. Sozusagen ein universeller Kuschelkurs, den man auf alles anwendet, das unangenehm zu werden verspricht. Appeasement wäre ein anderes Wort.

Auch deshalb hat Deutschland ein so ernstes Problem mit Islamisten. Sie lassen sich gleichfalls nicht kaufen.

Und deshalb wird Merkel scheitern. Denn anders als 2015 muss sie die Grenzen nun schließen. Sie muss eine klare Linie verfolgen, Richtlinien setzen, statt sitzen zu bleiben. Hier hilft kein »Eiapopeia vom Himmel«.

Das aber können sie nicht in dieser Regierung. Bezeichnend ist, dass, während Invasoren die griechische Grenze belagern, die Regierung über die Rettung von Kindern und Asylrechten schwadroniert. Bezeichnend, weil es zeigt, dass diese Regierung nicht weiß, was Gefahr ist und wo sie lauert.

Und deshalb, weil die Regierung nicht weiß, was Gefahr ist und die Welt für prinzipiell gut hält, deshalb ist das Corona-Virus wirklich gefährlich.

Auch wenn man später vielleicht einmal anmerken kann, dass das Corona-Virus in Deutschland eine Art des Handels wieder hoffähig machte, die es völlig verdrängt hat: Realistisches Handeln. Handeln, das sich an den eigenen Interessen und den Notwendigkeiten orientiert und nicht an den Traumtänzereien und Illusionen politisierender Schriftsteller und Langzeitstudenten. Die fordern am Ende womöglich noch eine Art von Rücksicht gegenüber dem Virus – wenn es erst einmal besiegt ist.